FUSSBALL Eintracht-Präsident Peter Fischer feiert mit EFC Merenberg 40. Geburtstag

Erinnerungen an einen "Scheißtag"

MERENBERG Vor zehn Jahren, zum 30-jährigen Bestehen des Eintracht Fanclubs (EFC) Merenberg, hatte Präsident Peter Fischer mit den Fans beim Brunnenfest gefeiert. Jetzt war er erneut Ehrengast bei der Jubiläumsfeier zum 40. Geburtstag.

Im Anschluss an die Gesprächsrunde posierte Eintracht Präsident Peter Fischer mit den jugendlichen Fanclub-Mitgliedern und dem Geburtstagsgeschenk, einem Steinadler. (Foto: Henche)
Im Anschluss an die Gesprächsrunde posierte Eintracht Präsident Peter Fischer mit den jugendlichen Fanclub-Mitgliedern und dem Geburtstagsgeschenk, einem Steinadler. (Foto: Henche)

In gewohnt lockerer und souveräner Manier plauderte der 59-Jährige, der seit 15 Jahren an der Spitze des Traditionsvereins vom Main steht, in einer Talkrunde mit dem Moderator und EFC-Vorsitzenden Wolfgang Weyand und dem Fanbeauftragten von Eintracht Frankfurt, Julian Schneider.

 

Schon in seiner Begrüßung brach der als "Mann des Volkes" geschätzte Präsident das Eis. "Ich hoffe, dass ich zum nächsten Jubiläum nicht mit dem Rollator kommen muss", gab er zu, dass er beim Blick auf die Bilder, die ihn vor zehn Jahren beim Brunnenfest zeigen, einen Schrecken bekommen habe. Er müsse sich wohl oder übel eingestehen, dass auch an ihm die Zeit nicht spurlos vorbeigegangen sei.

 

Wolfgang Weyand fügte in das Gespräch den Rückblick auf die 40-jährige Geschichte des Fanclubs ein. Er erinnerte an die Gründung am 21. Juni 1975, im Anschluss an den DFB-Pokalsieg der Eintracht gegen Duisburg und wollte wissen, wie der Präsident Fan von Eintracht Frankfurt wurde. Seine erste Bundesligabegegnung zusammen mit seinem Vater hat Fischer aber nicht im Frankfurter Waldstadion, sondern im Stuttgarter Neckarstadion verfolgt. Erst 1970, als die die Familie nach Frankfurt zog, wurde die Eintracht zu "seinem" Club: "Ich bin vom G-Block über sämtliche Sitzschalen durchs Stadion gewandert".

 

Ein Höhepunkt der Vereinsgeschichte war der UEFA-Cup-Sieg 1980, aber auch negative Ereignisse haben den Fan Peter Fischer geprägt. Den 16. Mai 1992 bezeichnet er kurz und knapp als "Scheißtag", denn damals verlor Frankfurt am letzten Bundesligaspieltag in Rostock die sicher geglaubte Meisterschaft.

 

Auch für die Abstiege, die den Traditionsverein in seiner 116-jährigen Vereinsgeschichte ereilten, hatte der Eintracht-Präsident deftige Worte parat. Bei allem Frust über die sportliche Situation sei die Reaktion der Fans für ihn damals aber großartig gewesen. 48 000 Zuschauer bei einer Zweitligapartie, das sei phänomenal. "Wir definieren uns über eine unglaubliche Fangemeinde", betonte Fischer und erinnerte an die Erlebnisse der jüngeren Vergangenheit in der Europa-League.

 

Friedhelm Funkel hat seine Verträge "in drei Minuten auf dem Bierdeckel verlängert"

 

Bei der Frage zur aktuellen Saison betätigte sich der Präsident als Sprücheklopfer: "Der HSV gehört nicht in die Bundesliga. Die können nicht mal absteigen", rief er dem Publikum zu. Während die Bayern in seinen Augen noch für zwei bis drei Jahre ein Abo auf die Meisterschaft haben, zeigte er sich zur Freude seiner Zuhörer überzeugt, dass die Eintracht in spätestens zehn Jahren wieder regelmäßig um internationale Plätze mitspielen wird. Für diese Saison schielt Fischer auf Platz sieben: "Das würde für Europa reichen".

 

Auf die Frage nach dem besten Trainer der jüngeren Vereinsgeschichte antwortete der Präsident spontan: "Friedhelm Funkel!" Der habe seine Verträge mit der Eintracht "in drei Minuten auf dem Bierdeckel" verlängert, beschreibt Fischer ihn plakativ als unkomplizierten Typ, der obendrein erfolgreich mit der Mannschaft gearbeitet habe.

 

"Fleiß, Talent und jede Menge Glück", das sind die Dinge, die es nach Auskunft des Präsidenten braucht, um Profifußballer zu werden. Sogar jemand, der sich für diesen Weg entscheide und alles richtig mache, wisse am Ende nicht, ob er es schafft, betonte Fischer und machte das am Beispiel von Marco Russ deutlich, der seine Fußballerkarriere einem großen Zufall verdanke.

 

Vor allem die jungen Eintracht-Fans in der Merenberger Sporthalle dürften aufmerksam zugehört haben. Und sich bestimmt freuen, wenn der Eintracht-Präsident auch zum nächsten Jubiläum des Fanclubs kommen würde - notfalls sogar mit dem Rollator.

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Dokument erstellt am 16.10.2015 um 09:41:52 Uhr
Letzte Änderung am 16.10.2015 um 18:56:20 Uhr